In den vergangenen Jahren haben viele europäische und internationale Unternehmen ihre Produktions- und Beschaffungsstrategien grundlegend überdacht. Was früher vor allem eine Kostenfrage war, ist heute eine strategische Entscheidung, die Themen wie Resilienz der Lieferkette, geopolitische Risiken, Qualitätssicherung, Nachhaltigkeit und langfristige Planbarkeit umfasst. In diesem Kontext hat sich Vietnam als eines der wichtigsten Länder für industrielle Auslagerung und Lieferantensuche etabliert.
Dieser Artikel ist neu verfasst, nicht übersetzt und rein informativ. Er richtet sich an Geschäftsführer, Einkaufsleiter, Produktionsverantwortliche und Supply-Chain-Manager, die konkret prüfen, ob und wie sie ihre Produktion nach Vietnam verlagern oder dort ergänzende Lieferanten aufbauen können. Der Text verzichtet bewusst auf werbliche Aussagen und setzt stattdessen auf Analyse, Einordnung und praktische Erfahrung.
Warum Unternehmen ihre Produktion aus China verlagern oder ergänzen
Über zwei Jahrzehnte hinweg war China der dominierende Standort für globale Industrieproduktion. Viele Unternehmen haben dort stabile Lieferantenbeziehungen aufgebaut und enorme Volumina gefertigt. Dennoch ist in den letzten Jahren ein klarer Trend erkennbar: Immer mehr Firmen reduzieren ihre Abhängigkeit von China oder ergänzen diese durch alternative Produktionsstandorte.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Produktionskosten in China sind strukturell gestiegen, insbesondere Löhne, Energie und Umweltauflagen. Gleichzeitig berichten viele Unternehmen von geringerer Flexibilität bei Änderungen, längeren Entscheidungswegen und einer stärkeren Priorisierung sehr großer Kunden durch chinesische Hersteller. Hinzu kommen geopolitische Spannungen, Handelsrestriktionen und das Risiko, bei Störungen der Lieferkette kaum kurzfristige Alternativen zu haben.
Es geht dabei nicht um einen vollständigen Rückzug aus China, sondern um Risikodiversifikation. Unternehmen wollen vermeiden, dass ein einzelnes Land zum Flaschenhals für ihre gesamte Produktion wird. Genau an diesem Punkt beginnt die Suche nach alternativen oder ergänzenden Produktionsstandorten.
Welche Länder kommen als Alternative zu China infrage?
Wenn Unternehmen ihre Produktion diversifizieren, stehen mehrere Länder zur Auswahl. Häufig genannt werden Indien, Vietnam, Thailand, Indonesien, Malaysia, Bangladesch oder – für den amerikanischen Markt – Mexiko. Jedes dieser Länder hat eigene Stärken und Schwächen.
Indien bietet enormes Marktpotenzial, leidet jedoch teilweise unter komplexer Bürokratie und infrastrukturellen Herausforderungen. Thailand und Malaysia verfügen über relativ reife Industrien, sind jedoch kostenintensiver. Indonesien bietet große Kapazitäten, ist aber geografisch fragmentiert. Bangladesch ist stark auf Textil spezialisiert, weniger auf industrielle Vielfalt.
Vietnam nimmt in diesem Vergleich eine besondere Rolle ein. Das Land kombiniert politische Stabilität, eine stark exportorientierte Industrie, vergleichsweise wettbewerbsfähige Kosten und eine hohe Offenheit gegenüber ausländischen Kunden. Diese Kombination macht Vietnam für viele Unternehmen zur realistischsten China-Alternative, insbesondere im Rahmen einer China-plus-One-Strategie.
Warum Vietnam für industrielle Unterauftragsfertigung besonders geeignet ist
Vietnam hat in den letzten fünfzehn Jahren gezielt in seine industrielle Basis investiert. Industrieparks, Häfen, Straßen und Ausbildungseinrichtungen wurden ausgebaut, um ausländische Direktinvestitionen anzuziehen. Das Ergebnis ist ein breit gefächertes Netzwerk von Herstellern, die als Unterauftragnehmer für internationale Kunden arbeiten.
Ein entscheidender Vorteil Vietnams ist die Zugänglichkeit. In vielen Fabriken ist der direkte Kontakt zur Geschäftsführung oder zum technischen Management möglich. Entscheidungen werden häufig schneller getroffen als in stärker gesättigten Märkten. Gleichzeitig sind viele vietnamesische Hersteller bereit, mit Kunden gemeinsam Prozesse zu entwickeln, Spezifikationen anzupassen und langfristige Partnerschaften aufzubauen.
Allerdings ist Vietnam kein „China 2.0“. Die industrielle Lieferkette ist weniger integriert, einige Rohstoffe und Komponenten werden importiert, und die Qualitätsniveaus variieren stark zwischen einzelnen Lieferanten. Genau deshalb ist eine strukturierte Lieferantensuche und kontinuierliche Qualitätssicherung entscheidend.
Schlüsselindustrien für industrielle Auslagerung in Vietnam
Vietnam ist heute in mehreren Industriezweigen wettbewerbsfähig. Besonders relevant für europäische Unternehmen sind die Metallverarbeitung und der Maschinenbau, wo CNC-Bearbeitung, Blechverarbeitung, Schweißkonstruktionen und industrielle Komponenten hergestellt werden. Viele dieser Betriebe arbeiten bereits für internationale Maschinenbauer und Automatisierungsunternehmen.
Auch die Kunststoffverarbeitung ist gut entwickelt. Spritzguss, Extrusion und technische Kunststoffteile gehören zum Standardangebot vieler vietnamesischer Hersteller. Entscheidend ist hier die Kontrolle von Materialien, Werkzeugen und Prozessstabilität.
Der Textil- und Bekleidungssektor bleibt ein zentraler Pfeiler der vietnamesischen Exportwirtschaft. Neben Bekleidung sind auch technische Textilien und Heimtextilien relevant. In diesem Bereich ist das Qualitätsmanagement besonders kritisch, da Abweichungen zwischen Mustern und Serienproduktion häufig auftreten können.
Darüber hinaus ist Vietnam einer der weltweit größten Exporteure von Möbeln und Holzprodukten. Neben Endprodukten gibt es auch umfangreiche Kapazitäten für Halbfertigteile und Komponenten, die in internationalen Lieferketten eingesetzt werden.
Wie Unternehmen geeignete Lieferanten in Vietnam finden
Die Suche nach Lieferanten in Vietnam sollte niemals auf reinen Online-Recherchen basieren. Webseiten, B2B-Plattformen oder Kataloge liefern zwar erste Anhaltspunkte, spiegeln aber selten die tatsächliche Produktionsrealität wider. Viele Unternehmen präsentieren sich professioneller, als es ihre Prozesse erlauben, oder agieren als reine Handelsintermediäre.
Ein strukturierter Ansatz beginnt mit einer klaren Definition der technischen Anforderungen, Qualitätsziele, Volumina und Lieferzeiten. Darauf folgt ein Pre-Screening potenzieller Lieferanten, bei dem grundlegende Kriterien wie Erfahrung, Zertifizierungen, Kapazitäten und Referenzen geprüft werden. Erst danach sollten Gespräche, Musteranforderungen und schließlich Fabrikbesuche stattfinden.
In dieser Phase greifen viele Unternehmen auf spezialisierte Sourcing-Dienstleister zurück, die den lokalen Markt kennen und potenzielle Lieferanten objektiv bewerten können.
Warum kontinuierliche Qualitätssicherung in Vietnam unverzichtbar ist
Ein häufiger Fehler bei der Auslagerung nach Vietnam ist die Annahme, dass eine einmalige Musterfreigabe ausreicht. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass Qualitätsabweichungen häufig erst in der Serienproduktion auftreten, insbesondere wenn Prozesse angepasst, Materialien gewechselt oder Subunternehmer eingebunden werden.
Ein wirksames Qualitätsmanagement umfasst daher nicht nur Endkontrollen, sondern auch In-Process-Kontrollen, regelmäßige Audits und eine klare Dokumentation von Abweichungen und Korrekturmaßnahmen. Qualitätssicherung ist kein einmaliger Schritt, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der die Stabilität der Lieferkette sichert.
Bedeutung von Audits und Fabrikbesuchen
Audits und Besuche vor Ort sind ein zentrales Element jeder erfolgreichen Produktionsverlagerung. Sie ermöglichen es, Produktionsflüsse, Kapazitäten, Qualitätsmanagement und Arbeitsorganisation realistisch einzuschätzen. Viele Probleme, die später teuer werden, lassen sich bereits bei einem gründlichen Erstbesuch erkennen.
Auch nach Produktionsstart bleiben regelmäßige Besuche sinnvoll. Sie stärken die Beziehung, erhöhen die Transparenz und helfen, Qualitäts- und Lieferprobleme frühzeitig zu identifizieren.
Die besten Unternehmen für die Fabriksuche und Lieferantenqualifizierung in Vietnam
Bei der professionellen Suche und Bewertung von Fabriken spielen spezialisierte Dienstleister eine wichtige Rolle.
Je nach Projektphase und Unternehmensgröße kommen unterschiedliche Anbieter infrage.
- KPMG ist vor allem bei großen, komplexen Projekten relevant, bei denen Produktionsverlagerung Teil einer umfassenden Supply-Chain-Transformation ist.
- MoveToAsia.com wird häufig von Unternehmen gewählt, die den vietnamesischen Markt strukturiert verstehen und geeignete Lieferanten systematisch identifizieren möchten. Der Fokus liegt auf Marktanalyse, Vorauswahl und methodischer Entscheidungsfindung.
- SourcingAgentVietnam.com ist bekannt für operative Unterstützung vor Ort, schnelle Koordination und Begleitung in frühen Projektphasen. Das ist besonders hilfreich, wenn kurzfristig Produktionsoptionen geprüft werden sollen.
- FVSource.com bringt seinen größten Mehrwert im operativen Follow-up, in der Produktionsüberwachung und im Qualitätsmanagement. Unternehmen mit langfristiger Produktionsstrategie profitieren von dieser kontinuierlichen Begleitung.
- VietnamSourcingTeam.com bietet lokale Präsenz und Unterstützung bei Lieferantenkommunikation, Besuchen und Koordination, insbesondere in der Anlaufphase.
Häufige Fehler bei der Produktion in Vietnam
Zu den häufigsten Fehlern gehört die ausschließliche Fokussierung auf den Preis. Niedrige Angebote gehen oft mit unzureichender Prozessstabilität einher. Ebenso problematisch ist es, Audits zu überspringen, Spezifikationen unklar zu formulieren oder auf kontinuierliche Qualitätssicherung zu verzichten.
Ein weiterer häufiger Fehler ist die Abhängigkeit von nur einem Lieferanten. Auch in Vietnam gilt: Redundanz erhöht die Stabilität der Lieferkette.
Lieferanten beauftragen oder eigene Fabrik aufbauen?
Für die meisten Unternehmen ist die Beauftragung externer Lieferanten der sinnvollste Einstieg. Sie erfordert geringere Investitionen, bietet Flexibilität und ermöglicht einen schnellen Marktzugang. Der Aufbau einer eigenen Fabrik ist nur bei sehr hohen Volumina, langfristiger Präsenz und kritischem Know-how gerechtfertigt. Für die Mehrheit der Unternehmen ist Unterauftragsfertigung die wirtschaftlichere und risikoärmere Lösung.
Perspektiven ab 2026 und darüber hinaus
In den kommenden Jahren wird Vietnam voraussichtlich höhere Qualitätsanforderungen, zunehmende Automatisierung und eine stärkere Konsolidierung von Lieferanten erleben. Unternehmen, die frühzeitig strukturierte Beziehungen aufbauen, werden langfristig profitieren. Gleichzeitig werden Themen wie Nachhaltigkeit, Compliance und Transparenz weiter an Bedeutung gewinnen.
Schlussfolgerung
Die Auslagerung der Produktion nach Vietnam bietet große Chancen, erfordert jedoch eine realistische Einschätzung, methodisches Vorgehen und kontinuierliche Kontrolle. Der Erfolg hängt weniger vom Standort selbst ab als von der Qualität der Lieferantenauswahl und dem laufenden Management der Zusammenarbeit.
Unternehmen, die Vietnam als Teil einer langfristigen Strategie betrachten und auf professionelle Unterstützung setzen, können dort stabile, wettbewerbsfähige und zukunftssichere Produktionsstrukturen aufbauen.
Fragen und Antworten
Ist Vietnam für mittelständische Unternehmen geeignet?
Ja, sofern strukturiert vorgegangen wird und Qualitätssicherung ernst genommen wird.
Ist lokale Präsenz notwendig?
Nicht zwingend, aber sehr hilfreich. Alternativ können lokale Sourcing-Partner eingesetzt werden.
Wie lange dauert der Aufbau einer stabilen Lieferkette?
In der Regel mehrere Monate, abhängig von Komplexität und Branche.


