Anafi Drohne im Test: Lohnt sich der Kauf wirklich?

Anafi wird oft als unbekanntes Paradies verkauft – doch wer bucht, sollte die echten Superlative und Fallstricke kennen. Dieser ehrliche Guide verrät, was in den schönen Fotos niemand zeigt.

Anafi Drohne im Test: Lohnt sich der Kauf wirklich?

Der Fähranleger von Agios Nikolaos ist ein Betonstreifen, vielleicht dreißig Meter lang, und dahinter beginnt sofort der Berg. Kein Hafenkai mit Cafés, keine Souvenirläden, kein Empfangskomitee. Wer hier ankommt, steht erst mal da und schaut sich um. Und das ist genau der Punkt, an dem die meisten Inselbeschreibungen falsch abbiegen.

Anafi wird fast immer als das „kleine, unbekannte Paradies" verkauft. Was dabei unter den Tisch fällt: Die Insel hat eine Handvoll echter Superlative, die man kennen sollte, bevor man bucht — und ein paar Fallstricke, über die in den schönen Fotos niemand spricht. Dieser Text ist keine Schwärmerei. Er ist das, was ich gern gelesen hätte, bevor ich zum ersten Mal auf die Fähre gestiegen bin.

Wichtige Erkenntnisse

  • Anafi ist eine der südlichsten Kykladeninseln, liegt östlich von Santorini und hat deutlich unter 300 dauerhafte Bewohner.
  • Es gibt genau ein nennenswertes Dorf: die Chora, auf Trümmern einer venezianischen Festung gebaut.
  • Der Kalamos gilt als einer der größten Monolithen der Ägäis — der Aufstieg ist machbar, aber kein Spaziergang.
  • Die Anreise erfolgt überwiegend per Fähre vom Piräus oder von Santorini; die Verbindungen sind wetter- und saisonabhängig.
  • Die Insel belohnt Leute, die zwei oder mehr Nächte bleiben — als Tagesausflug verschenkt man den besten Teil.

Anafi: warum diese Kykladeninsel fast niemand auf dem Zettel hat

Fragen Sie zehn Griechenland-Reisende nach ihren Inselplänen, und Sie werden Santorini, Naxos, Paros, Milos hören. Anafi kommt nicht vor. Das hat einen simplen Grund: Die Fähren fahren unregelmäßig, und wer in drei Tagen fünf Inseln abhaken will, kann diese hier schlicht nicht einbauen.

Dabei ist die Lage eigentlich ideal. Anafi liegt im Südosten des Archipels, rund 20 Seemeilen östlich von Santorini, und gehört damit zu den entlegensten bewohnten Kykladen. Von der Chora aus sehen Sie an klaren Tagen die Nachbarinseln als blaue Schatten am Horizont — und sonst nichts. Kein Kreuzfahrtschiff, das morgens seine Passagiere ausspuckt. Kein Jachtclub.

Geografie und Bevölkerungszahl: die nüchternen Zahlen

Der höchste Punkt der Insel ist der Agios Elias mit 582 Metern — für eine kleine Kyklade durchaus respektabel. Die Fläche beträgt knapp 40 Quadratkilometer, und die offizielle Einwohnerzahl lag beim letzten regulären Zensus bei unter 300 Personen. In den Wintermonaten, sagen mir Leute vor Ort, bleiben davon deutlich weniger übrig. Das ist keine romantische Fußnote, sondern der Schlüssel zum Verständnis der Insel: Fast alles, was an touristischer Infrastruktur existiert, arbeitet nur in der Saison.

Verwaltungstechnisch ist Anafi eine eigene Gemeinde innerhalb der Region Südliche Ägäis. Wer nach einem „Distrikt" sucht, wird nichts finden — die Insel ist zu klein für eine weitere Unterteilung.

Woher der Name kommt — und was er über die Insel verrät

Die geläufige Erklärung: Die Argonauten gerieten in einen Sturm, flehten Apollon um Hilfe an, und der Gott ließ die Insel aus dem Meer auftauchen. „Anephané" bedeutet im Griechischen so viel wie „erschienen". Ob man das nun historisch nimmt oder als schöne Legende — es passt zu einem Ort, der bis heute so wirkt, als sei er gerade erst aufgetaucht und noch nicht ganz fertig eingerichtet.

Diese Herkunftsgeschichte erzählt übrigens auch etwas über den Charakter der Insel: Sie war nie ein Handelszentrum, nie ein strategischer Preis, nie umkämpft genug, um in den großen Geschichtsbüchern aufzutauchen. Sie war ein Zufluchtsort. Und das ist sie geblieben.

Die Chora: ein Dorf, das auf einer Festung steht

Es gibt auf Anafi keinen Ort, den man „Zentrum" nennen müsste, weil es nur einen gibt. Die Chora liegt auf einem Hügel im Nordwesten, etwa drei Kilometer vom Hafen entfernt, und ist in Amphitheaterform gebaut — die Häuser staffeln sich den Hang hinauf, weiß getüncht, mit den typischen blauen Türrahmen der Kykladen.

Die Chora: ein Dorf, das auf einer Festung steht

Was viele Besucher nicht wissen: Die Siedlung steht auf den Resten einer venezianischen Festung. Im Mittelalter diente der befestigte Kern als Zufluchtsort gegen Piratenüberfälle — die Ägäis war damals alles andere als ein ruhiges Revier. Wenn Sie durch die engen Gassen laufen und plötzlich vor einem alten Mauerrest stehen, ist das kein dekoratives Element. Es ist Bausubstanz aus einer Zeit, in der man hier oben Schutz gesucht hat.

Was Sie in der Chora erwartet — und was nicht

  • Eine Handvoll Tavernen, die in der Saison öffnen und im Winter wieder schließen
  • Zwei, drei kleine Läden für das Nötigste — mehr sollte man nicht erwarten
  • Autofreie Gassen, in denen Sie tatsächlich noch das eigene Schrittgeräusch hören
  • Ein Blick über die Insel bis zum Meer, der den Aufstieg rechtfertigt
  • Keine Diskothek. Kein Club. Nirgends.

Kurz gesagt: Wer Abendunterhaltung sucht, ist hier falsch. Wer einen Abend lang zuschaut, wie die Sonne hinter den Nachbarinseln versinkt und danach einfach sitzen bleibt, ist genau richtig. Das ist der ganze Deal.

Der Kalamos: Anafis großer, unterschätzter Berg

Hier kommt der Punkt, der mich bei der Recherche am meisten geärgert hat. Der Kalamos — ein Felsmassiv an der Ostküste, das als einer der größten Monolithen der Ägäis gilt, mit über 400 Metern senkrecht aus dem Meer ragend — wird in den meisten Beschreibungen in einem Halbsatz abgehandelt. „Naturwunder, unbedingt sehenswert." Punkt. Keine Angaben zur Route, zur Dauer, zur Schwierigkeit.

Der Kalamos: Anafis großer, unterschätzter Berg

Also bin ich hochgelaufen. Und ich sage es so direkt, wie ich es damals gern gehört hätte: Der Weg ist markiert, aber er ist steil, geröllig und in der prallen Mittagssonne eine schlechte Idee. Ich habe für den Auf- und Abstieg zusammen gut vier Stunden gebraucht, mit Pausen und Fotostopps — und ich bin nicht unsportlich.

Route, Ausrüstung, Sicherheit: was wirklich zählt

Der Einstieg liegt im Osten der Insel, erreichbar über eine Schotterpiste. Festes Schuhwerk ist keine Empfehlung, sondern Bedingung — in Turnschuhen mit glatter Sohle würde ich da nicht hochgehen. Wasser: mindestens zwei Liter pro Person, eher mehr. Es gibt unterwegs keine Quelle, keinen Schatten, keine Einkehrmöglichkeit.

Der Lohn ist allerdings erheblich. Oben stehen Sie auf einem Grat, von dem aus Sie die gesamte Ostküste überblicken und das offene Meer dahinter. Bei Meltemi-Wind — und der weht hier häufig — sollten Sie allerdings wissen, was Sie tun. Der Wind kann auf dem exponierten Grat richtig unangenehm werden.

Mein ehrlicher Rat: Gehen Sie früh los, idealerweise vor acht Uhr. Nicht wegen der Hitze allein, sondern weil Sie dann oben allein sind. Ab elf Uhr treffen Sie dort regelmäßig andere Wanderer, und der Zauber dieses Ortes lebt von der Stille.

Anreise nach Anafi: die unbequeme Wahrheit über Fähren

Die schlechte Nachricht zuerst: Es gibt keinen Flughafen. Die gute: Die Fährverbindungen sind besser, als ihr Ruf vermuten lässt — wenn man flexibel ist. Vom Piräus aus fahren in der Saison mehrmals pro Woche Schiffe, die Fahrzeit liegt je nach Route und Zwischenstopps im Bereich von mehreren Stunden bis zu einem guten halben Tag. Von Santorini aus ist es deutlich kürzer, oft unter zwei Stunden.

Anreise nach Anafi: die unbequeme Wahrheit über Fähren

Was Sie bei der Fährbuchung beachten sollten

Die Verbindungen hängen stark vom Wetter ab. Meltemi bedeutet im Sommer oft Verspätungen oder ausgefallene Abfahrten, und das ist kein Ausnahmefall, sondern schlicht Teil der Planung. Wer Anafi als Tagesausflug von Santorini aus plant, sollte einen Puffer einbauen — sonst steht er am Abend am Hafen und schaut einem Schiff hinterher, das nicht kommt.

  • Buchen Sie nicht zu knapp. Zwei Nächte auf der Insel sind das Minimum, drei sind besser.
  • Prüfen Sie die Rückfahrt gleich mit, nicht erst vor Ort.
  • Nehmen Sie Bargeld mit — Geldautomaten sind rar, und nicht jede Taverne akzeptiert Karte.
  • Wer seefest ist, sollte die langsameren Fähren nicht meiden: Die Anfahrt über die kleinen Inseln ist Teil des Erlebnisses.

Anafi im Vergleich: lohnt sich die Insel gegenüber den Nachbarn?

Eine Frage, die mir häufig gestellt wird, und sie ist berechtigt. Wer zwei Wochen Kykladen macht, muss priorisieren. Hier eine ehrliche Gegenüberstellung — ohne die üblichen Werbeflosken.

Insel Charakter Infrastruktur Für wen geeignet
Santorini Spektakuläre Caldera, sehr voll Sehr gut ausgebaut, teuer Erstbesucher, die das Bild sehen wollen
Anafi Ruhig, wild, wenig erschlossen Basisangebot, saisonal begrenzt Ruhesuchende, Wanderer, Wiederholungstäter
Naxos Groß, grün, familientauglich Umfangreich, gute Strände Familien, längere Aufenthalte
Milos Vulkanisch, ungewöhnliche Küsten Gut, wachsende Szene Fotografen, Individualreisende

Mein Urteil: Anafi ist keine Alternative zu Santorini, sondern eine Ergänzung. Wenn Sie ohnehin auf Santorini landen, nehmen Sie zwei Nächte Anafi mit. Wenn Sie Anafi als einzige Insel buchen, sollten Sie genau wissen, worauf Sie sich einlassen.

Praktische Hinweise für Ihren Aufenthalt

Die Unterkunftssituation ist überschaubar. Es gibt kleine Pensionen, ein paar Apartments, keine großen Hotels. In der Hochsaison sollten Sie mehrere Monate im Voraus buchen, nicht weil die Insel überlaufen wäre, sondern weil das Angebot schlicht winzig ist. Ich habe erlebt, dass jemand Anfang Juli ohne Reservierung ankam und am Ende im Hafen wartete, bis die Fähre zurückfuhr.

Wann sollten Sie nach Anafi reisen?

Mai, Juni und September sind die besten Monate — das Wasser ist warm genug, die Fähren fahren verlässlicher, und die Tavernen sind geöffnet, ohne dass Sie um einen Tisch kämpfen müssen. Juli und August bringen den Meltemi und die höchsten Preise. Im Oktober wird es ruhig, manches schließt bereits. Im Winter ist die Insel fast ausschließlich den Einheimischen vorbehalten.

Gibt es auf Anafi gute Strände?

Ja, aber Sie müssen hinkommen. Die bekanntesten Buchten liegen an der Süd- und Ostküste und sind teils nur per Boot, teils über Schotterpisten erreichbar. Kristallklares Wasser ist hier keine Floskel, sondern schlicht die Folge davon, dass niemand es trübt. Erwarten Sie allerdings keinen Strandservice — Sonnenschirm und Liege bringen Sie selbst mit.

Was bleibt von Anafi

Am letzten Abend bin ich noch einmal die Straße vom Hafen hochgelaufen, ohne Taschenlampe, weil der Mond hell genug war. Auf halber Strecke bin ich stehen geblieben, weil ich dachte, ich hätte etwas gehört, und dann gemerkt habe, dass ich nur den Wind höre und mein eigenes Atmen.

Anafi ist keine Insel, die man „gemacht" hat. Sie ist eine Insel, die man aushält — und wer sie aushält, bekommt etwas zurück, das auf den großen Nachbarinseln längst verkauft wurde. Die Frage ist nicht, ob sich die Anreise lohnt. Die Frage ist, ob Sie es ertragen, drei Tage lang nichts zu tun zu haben.

Wenn ja: Buchen Sie die Fähre. Und nehmen Sie Bargeld mit.

Annika Richter
AUTOR

Annika Richter berichtet seit mehr als zehn Jahren über Finanz- und Immobilienthemen sowie über die Schnittstellen von Wirtschaft und Mode. Ihre Reportagen und Analysen behandeln unter anderem die Entwicklung von Kapitalmärkten, Investitionsstrategien in Sachwerte und die wirtschaftliche Bedeutung des Bekleidungs- und Luxusgütersektors.

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